Drei-Zeugen-Testament: Wann es wirklich wirksam ist
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Drei-Zeugen-Testament: Der Sachverhalt im Überblick
In dem vom Oberlandesgericht Saarbrücken entschiedenen Fall wurde eine schwer erkrankte Frau wegen eines nicht mehr durchbluteten Fußes im Krankenhaus behandelt. Sie lehnte weitere medizinische Maßnahmen – insbesondere eine Amputation – ausdrücklich ab und wurde anschließend in die hausärztliche Betreuung entlassen. Eine genaue Prognose über ihre verbleibende Lebenszeit konnten die Ärzte nicht stellen, allerdings erhielt sie bereits starke Schmerzmittel wie Morphium.
Am Mittag ihres Todestages wurde in ihrer Wohnung ein Testament aufgenommen. Drei Zeugen hielten darin den letzten Willen der Frau fest. Das Dokument war jedoch weder von der Erblasserin handschriftlich verfasst noch unterschrieben. Nach ihrem Tod beantragten zwei Personen einen Erbschein und beriefen sich auf dieses sogenannte Drei-Zeugen-Testament.
Warum das Gericht das Drei-Zeugen-Testament ablehnte
Sowohl das Nachlassgericht als auch das OLG Saarbrücken erklärten das Drei-Zeugen-Testament für unwirksam. Grund dafür sind die strengen gesetzlichen Voraussetzungen für diese besondere Form des Nottestaments. Ein Drei-Zeugen-Testament ist nur dann zulässig, wenn sich der Erblasser in unmittelbarer Todesgefahr befindet und es objektiv keine Möglichkeit mehr gibt, rechtzeitig einen Notar oder den Bürgermeister zu erreichen.
Nach Auffassung des Gerichts reicht es nicht aus, dass jemand schwer krank ist oder möglicherweise bald verstirbt. Eine unmittelbare Todesgefahr liegt erst dann vor, wenn ein klarer medizinischer Zustand auf die letzte Phase des Lebens hindeutet, etwa bei akutem Organversagen oder anderen lebensbedrohlichen Komplikationen.
Im entschiedenen Fall war die Frau zwar geschwächt und vermutlich nicht mehr in der Lage, ein eigenhändiges Testament zu schreiben. Es gab jedoch keine Anzeichen für eine akut bevorstehende Sterbephase. Zudem standen mehrere Notare in räumlicher Nähe zur Verfügung. Damit fehlte die rechtliche Notlage, die ein Drei-Zeugen-Testament rechtfertigen könnte.
Fazit: Warum diese Entscheidung für Sie wichtig ist
Die Entscheidung macht deutlich, wie unsicher ein Drei-Zeugen-Testament sein kann. Wer sich auf eine mündliche Erklärung kurz vor dem Tod verlässt, riskiert, dass der letzte Wille später keine Wirkung entfaltet. Für Sie bedeutet das: Eine frühzeitige und klare Regelung des Nachlasses ist entscheidend. Nur so stellen Sie sicher, dass Ihr Vermögen tatsächlich nach Ihren Vorstellungen verteilt wird und Streit unter Angehörigen vermieden wird.
OLG Saarbrücken, Beschluss vom 4.2.2025, 5 W 4/25