Reisemangel am Flughafen: Urlauber erhalten Reisepreis und Entschädigung zurück
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Überfüllter Check-in führte zum verpassten Flug
Zwei Urlauber wollten von Deutschland nach Griechenland reisen und erschienen bereits zwei Stunden vor dem geplanten Abflug am Flughafen. Trotzdem schafften sie es nicht rechtzeitig zum Gate. Der Grund: Die Fluggesellschaft hatte für rund 150 Passagiere von zwei kurz hintereinander startenden Flügen zunächst nur einen Check-in-Schalter geöffnet. Erst später wurde ein weiterer Schalter besetzt.
Die Folge war eine außergewöhnlich lange Wartezeit. Die Reisenden benötigten etwa eine Stunde, um eingecheckt zu werden. Als sie schließlich am Gate ankamen, war das Boarding bereits beendet. Der Flug startete ohne sie. Die geplante Urlaubsreise konnte nicht mehr durchgeführt werden.
Daraufhin verlangten die Urlauber die Erstattung des Reisepreises sowie eine Entschädigung für die verlorene Urlaubszeit. Sie argumentierten, dass die Organisation am Flughafen mangelhaft gewesen sei und sie den Flug nicht aus eigenem Verschulden verpasst hätten.
Gericht sieht überlange Wartezeit als Reisemangel an
Das Oberlandesgericht Celle gab den Reisenden Recht. Nach Auffassung des Gerichts stellt eine Check-in-Dauer von rund einer Stunde unter den gegebenen Umständen einen Reisemangel dar. Ein Reisemangel liegt vor, wenn die tatsächlich erbrachte Reiseleistung erheblich von dem abweicht, was Reisende berechtigterweise erwarten dürfen.
Zwar müssen Flugpassagiere mit gewissen Wartezeiten rechnen. Eine Abfertigung von etwa 150 Fluggästen über einen oder zeitweise zwei Schalter überschreite jedoch das Zumutbare. Das Gericht orientierte sich dabei unter anderem an den Wertungen der europäischen Fluggastrechte, die für den Check-in eine deutlich kürzere Abfertigungszeit erwarten lassen.
Ein Mitverschulden der Urlauber verneinte das Gericht ausdrücklich. Sie waren rechtzeitig am Flughafen erschienen. Auch mussten sie sich nicht aktiv vordrängeln oder andere Passagiere zur Seite drängen, um schneller abgefertigt zu werden. Ein solches Verhalten sei gesellschaftlich unerwünscht und könne von Reisenden nicht verlangt werden.
Da die mangelhafte Organisation letztlich dazu führte, dass die Reise scheiterte, konnten die Betroffenen sowohl den Reisepreis zurückfordern als auch eine Entschädigung für die nutzlos aufgewendete Urlaubszeit verlangen.
Fazit: Bedeutung der Entscheidung für Sie
Die Entscheidung stärkt die Rechte von Pauschalreisenden erheblich. Besonders wichtig ist, dass das Gericht den Check-in als Teil der Reiseleistung bewertet hat. Dadurch müssen sich Reisende nicht zwingend allein mit der Fluggesellschaft auseinandersetzen. Stattdessen können sie ihre Ansprüche unmittelbar gegenüber dem Reiseveranstalter geltend machen.
Für Verbraucher bedeutet das: Wer rechtzeitig am Flughafen erscheint und seinen Flug aufgrund einer schlecht organisierten Abfertigung verpasst, bleibt nicht automatisch auf den Kosten sitzen. Liegt ein erheblicher Reisemangel vor, kommen je nach Einzelfall eine Reisepreisminderung, die Rückerstattung des Reisepreises oder sogar eine Entschädigung für verlorene Urlaubszeit in Betracht.
Ob tatsächlich ein Reisemangel vorliegt, hängt jedoch immer von den konkreten Umständen ab. Entscheidend sind insbesondere die Wartezeit, die Organisation vor Ort und das eigene Verhalten des Reisenden.
OLG Celle, Beschluss vom 24.09.2025, Az. 11 U 31/25.