Entschädigung wegen vertaner Urlaubszeit?
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Entschädigung wegen vertaner Urlaubszeit: Der Fall im Überblick
Eine vierköpfige Familie buchte einen einwöchigen Segeltörn in der Karibik für rund 4.600 Euro. Schon der Start verlief problematisch: Das Ablegen verzögerte sich, eine vollständige Sicherheitseinweisung blieb aus. Kurz nach dem Auslaufen kam es sogar zu zwei Zusammenstößen mit anderen Schiffen. Auch die Fahrmanöver des Skippers wirkten unsicher.
Im weiteren Verlauf häuften sich technische Probleme. An Bord fielen unter anderem der Backofen, der Generator, die Wasseraufbereitung und die Klimaanlage aus. Zeitweise roch es nach Gas. Die Familie entschied sich schließlich, den Segeltörn abzubrechen und in ein Hotel umzuziehen. Dort kam es allerdings nachts zu erheblicher Lärmbelästigung durch Musik vom Strand.
Der Vater verlangte vom Reiseveranstalter insgesamt rund 14.000 Euro Schadenersatz, darunter etwa 3.300 Euro als Entschädigung wegen vertaner Urlaubszeit. Nachdem Vergleichsangebote abgelehnt wurden, landete der Fall vor dem Landgericht Frankfurt am Main.
Viele Mängel, aber kein Anspruch auf Entschädigung wegen vertaner Urlaubszeit
Das Gericht stellte zwar mehrere Reisemängel fest. Dazu zählten der verspätete Reisebeginn, die fehlende Sicherheitseinweisung, die Zusammenstöße im Hafen sowie die technischen Ausfälle. Diese Umstände rechtfertigten eine Minderung des Reisepreises.
Eine Entschädigung wegen vertaner Urlaubszeit lehnte das Gericht jedoch ab. Nach ständiger Rechtsprechung reicht es nicht aus, dass sich einzelne Reisemängel häufen. Entscheidendes Kriterium ist, ob der eigentliche Zweck der Reise – die Erholung – an einzelnen Urlaubstagen nahezu vollständig verfehlt wurde.
Eine früher diskutierte starre 50-Prozent-Grenze gibt es nicht mehr. Stattdessen erfolgt eine Gesamtwürdigung von Art, Dauer und Intensität der Beeinträchtigungen. Im konkreten Fall sah das Gericht keinen vollständigen Verlust des Erholungswerts an einzelnen Tagen. Auch der Hotelaufenthalt mit nächtlichem Lärm wurde lediglich als Unannehmlichkeit eingestuft.
Warum dieses Urteil auch für Sie entscheidend sein kann
Das Urteil zeigt deutlich: Nicht jeder enttäuschende Urlaub führt automatisch zu einer Entschädigung wegen vertaner Urlaubszeit. Selbst gravierende Mängel müssen eine erhebliche und nahezu vollständige Beeinträchtigung einzelner Reisetage verursachen, um einen immateriellen Schadensersatz zu rechtfertigen. Für Verbraucher ist es daher wichtig, Reisemängel frühzeitig zu dokumentieren, richtig einzuordnen und realistische Erwartungen an mögliche Ansprüche zu haben. Wer seine Rechte kennt, kann besser beurteilen, ob sich eine Forderung lohnt oder nicht.
LG Frankfurt/Main, Urteil vom 20.8.2025, 2–24 O 42/24