Smartlaw-Rechtsexperte

Maximilian von Grafenstein, LL.M.

Rechtsanwalt


Max von Grafenstein ist Rechtsanwalt im Bereich E-Commerce, Urheber-, Film-, Medien-, Datenschutz- und Internettechnologierecht. Er ist selbst Gründer, beschäftigt sich seit Jahren mit den Produkten und Geschäftsmodellen junger Unternehmen und leitet am Alexander von Humboldt-Institut für Internet und Gesellschaft (HIIG) die Startup Law Clinic, in der junge Unternehmen aus der Internetbranche ihre Geschäftsmodelle unter rechtlichen Gesichtspunkten analysieren und weiterentwickeln können.

Interview

Stellen Sie sich, Ihre Kanzlei und Ihren Arbeitsschwerpunkt kurz vor:

Ich bin selbst Gründer und betreue seit meiner Rechtsanwaltszulassung im Jahr 2010 klassische und junge Unternehmen auf den Gebieten des Urheber-, Film-, Medien-, Datenschutz- und Internettechnologierechts. Als Leiter der Law Clinic des HIIG-Forschungsprojektes »Innovation und Entrepreneurship« beschäftige ich mich mit den Wirkungen des Rechts auf Innovationsprozesse und schreibe eine Doktorarbeit zum datenschutzrechtlichen Zweckbindungsprinzip. Einen Master in internationalem IP- und IT-Recht habe ich am Institut für Rechtsinformatik in Hannover erworben.

Was hat Sie motiviert, Anwalt zu werden? Gibt es eine Geschichte dazu?

Mein Wunsch, Anwalt zu werden, begann mit einer Erbschaft. Als Jugendlicher habe ich ein sehr altes Buch aus dem Jahr 1750 geerbt – den Corpus Iuris Civilis, eine Zusammenstellung von Gesetzeswerken aus dem römischen Recht, das in Deutschland bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Rechtsquelle verwendet wurde. Meine Vorfahren hatten mit diesem Buch noch gearbeitet. Als ich es in meinen Händen hielt, wusste ich: Das will ich auch machen. 

Jahre später nutzte ich während meines Studiums sehr früh die Gelegenheit, in der Kanzlei meines Schwagers die Handwerkskunst des Rechtsanwalts kennenzulernen – und bin bis heute von diesem Beruf überzeugt.

Was ist für Sie persönlich der schönste Teil Ihrer Arbeit?

Den Menschen zu ihrem Recht zu verhelfen – das empfinde ich als den schönsten Teil meiner Arbeit. Als Anwalt vertrete ich die Interessen meiner Mandanten. Diese im Gesetz, sprich zunächst auf dem Papier, geschützten Interessen in die Realität umzusetzen, ist ein wirklich befriedigendes Gefühl. Als Rechtsanwalt gestaltet man auf sehr effektive Weise die soziale Wirklichkeit mit.

Gibt es einen besonderen Rat, den Sie Ihren Mandanten geben, wenn sie mit rechtlichen Fragen oder Problemen zu Ihnen kommen?

Einen Schritt zurücktreten und den Blick fürs Ganze gewinnen. Klingt vielleicht ungewöhnlich für einen Anwalt, aber meine Erfahrung lehrt mich immer wieder, dass das Recht mit seinen Wirkungen in einem Unternehmen nicht isoliert gesehen werden kann. Oft hilft es, zu überlegen, was die übergeordneten Ziele des Unternehmens sind. Denn dann geht es nicht nur darum, einzelne Rechtsfragen mit »Ja«, »Nein« oder »kommt darauf an« zu beantworten, sondern die Entwicklung des Produkts, der Dienstleistung oder des gesamten Geschäftsmodells strategisch mitzugestalten. Das ist sehr viel zielführender, als sich gleich und ausschließlich mit rechtlichen Einzelfragen zu beschäftigen.

Haben Sie oder Ihre Kanzlei ein Motto? Stellen Sie es bitte vor:

Wir beraten bei der Entwicklung, Finanzierung und Vermarktung der Produkte und Dienstleistungen von morgen. Bei uns geht es um rechtliche Innovationsberatung. Recht ist für uns ein Gestaltungsmittel, das mit den wirtschaftlichen Prozessen eines Unternehmens und des Marktes in eine starke Wechselwirkung tritt.

Wie sehen Sie die Zukunft des Anwaltsberufes?

Es gibt mehrere große Themen, mit denen sich Anwälte in der Zukunft zunehmend auseinandersetzen werden: Erstens, der rasante Wandel weg von zentralen, linearen Wertschöpfungsketten hin zu dezentralen, nicht-linearen Wertschöpfungsnetzwerken und die damit verbundene Zunahme der rechtlichen Komplexität; zweitens, die Internationalisierung der rechtlichen Fragen, die aus der Globalität des Internets folgt; und drittens, eine transparentere Gestaltung der anwaltlichen Vergütungsmodelle, die immer mehr Mandanten einfordern. 

Ein Zukunftsthema, auf das ich mich besonders freue, ist die strategisch-gestaltende Beratung, die aufgrund der oben genannten Punkte immer mehr an Bedeutung gewinnt. Wegen der zunehmend offenen Innovationsprozesse brauchen Mandanten immer weniger den klassischen »Ja-Nein-Kommt darauf an«-Anwalt. Diese Antworten sind oft schneller überholt als sich die Innovationsprozesse des Mandanten entwickeln. Vielmehr benötigen innovative Unternehmen immer mehr Beratung im Sinne eines rechtlichen Risikomanagements.

Für Sie erstellte Rechtsdokumente

Für die Inhalte jedes Dokuments, also für die Fragen und Erklärtexte genauso wie für die Vertragselemente, im Bereich E-Commerce ist Rechtsanwalt Max von Grafenstein verantwortlich.