Darf der Arbeitgeber den Arbeitnehmer aus dem Urlaub zurückrufen?

Arbeitnehmer & Auszubildende 7. September 2015
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Arbeitgeber dürfen ihre Mitarbeiter nur in Ausnahmefällen aus dem bereits genehmigten und angetretenen Urlaub zurück an den Arbeitsplatz holen. Bei beantragten Auszeiten haben sie dagegen mehr Spielraum.

Als der Mainzer Hauptbahnhof vor wenigen Wochen im Verkehrschaos versank, machte nicht nur dies bundesweit Schlagzeilen: Mindestens ebenso großes mediales Echo erhielt Bahnchef Grube: Der CEO hatte Mitarbeiter teils persönlich im Urlaub angerufen, um sie zu einer vorzeitigen Rückkehr an den Arbeitsplatz im Stellwerk zu bewegen. Die verzweifelte Aktion des Top-Managers war dem Personalmangel geschuldet. Wer die Mainzer Vorgänge verfolgte, stellte sich aus Arbeitnehmersicht oft die Frage, ob der Arbeitgeber den Abbruch eines Urlaubs verlangen darf. Darf mein Chef mich hierzu gar zwingen, wenn betriebliche Not am Mann ist?

Urlaubsabbruch: Arbeitsrecht setzt enge Grenzen

Einen grundsätzlichen Anspruch des Arbeitgebers gegenüber dem Arbeitnehmer, seinen Urlaub abzubrechen, gibt es nicht. Nur in äußersten Ausnahmefällen, falls etwa Millionenschäden für das Unternehmen auf dem Spiel stünden, seien Ausnahmen denkbar, sagen Rechtsexperten. Ausnahmefall “Mainz”? Das bezweifeln Arbeitsrechts-Fachleute. Schließlich habe es hier keine höhere Gewalt gegeben. Das Stellwerk-Chaos sei vielmehr mangelhafter Personalpolitik geschuldet gewesen.

Urlaubsantrag: Arbeitgeber hat mehr Rechte

Stärker ist die Position des Arbeitgebers bei der Frage nach dem Zeitpunkt eines beantragten, aber noch nicht genehmigten Urlaubs. Zwar schreibt das Urlaubsgesetz vor, dass der Arbeitgeber Terminwünsche seiner Angestellten berücksichtigen muss. Dies gilt aber nur, wenn dem gewünschten Zeitraum keine „dringenden betrieblichen Belange“ entgegenstehen.